Baufilz in Zürich

Stadion-Architekt erhält städtisches Mandat

Vor kurzem hat der Stadtrat auf Antrag von André Odermatt, Chef des Hochbaudepartements, den Architekten Roger Boltshauser in das städtische Baukollegium gewählt. Das Baukollegium berät den Stadtrat und die Baubewilligungsbehörden in Fragen des Städtebaus und der Architektur. So weit, so gut. Nur handelt es sich bei Boltshauser ausgerechnet um den Architekten, der im Hardturmprojekt das neue Stadion erbauen soll.

Das Baukollegium nimmt zu den Bauplanungsvorhaben und städtischen Konzepten und Leitbildern Stellung, wenn ihre Bedeutung es erfordert.

Damit befindet sich Boltshauser in der einmaligen Lage, sein eigenes Projekt beurteilen können. Auch wenn er formell in den Ausstand treten sollte, wird es ihm vorher nicht an Gelegenheit fehlen, bei seinen Kollegen im Baukollegium für den richtigen Entscheid zu lobbyieren.

Klein Manhattan wird konkreter

In einem Interview mit der NZZ haben der Chef der Kantonalen Raumplanung und die Stadtplanerin von Zürich die Katze aus dem Sack gelassen. Zürich werde stark wachsen, um bis zu 100 000 zusätzliche Einwohner. Dieses Wachstum werde vor allem in Seebach und Altstätten stattfinden. Dabei seinen Wohnhochhäuser ein gutes Mittel, um die vielen Tausend neue Einwohner unterzubringen. Um offenbar diese geplanten „Manhattanisierung“ von Zürich West/Altstetten den Weg zu ebnen, wollen Stadt und Kanton den erlaubten Schattenwurf von Hochhäusern von zwei auf drei Stunden erhöhen. Was also im Moment auf dem Hardturm mit den beiden 140-Meter-Türmen geplant wird, ist nicht etwa eine Ausnahme, sondern der Vorbote kommender Entwicklungen.

Keine Verstaatlichung von Wohnungen!

Mit einem merkwürdigen Deal wollen Stadt und Credit Suisse die Chancen des Projekts «Ensemble» verbessern. Um Sympathien im linken Lager zu gewinnen, will man unbedingt einen möglichst hohen Anteil gemeinnütziger Wohnungen als Bestandteil der Stadionvorlage ausweisen. Im Projekt sind aber bloss deren 175 vorgesehen. Deswegen bietet die CS der Stadt zusätzliche 125 Wohnungen zum Kauf an, für rund 100 Millionen Franken. Damit würden 125 Wohnungen dem freien Wohnungsmarkt entzogen und verstaatlicht. Aus bürgerlicher Sicht kann man ein derartiges Geschäft unter keinen Umständen gutheissen. Nur um die Fiktion «Gratisstadion» aufrecht zu erhalten, fliesst dieses Geld also in die Verstaatlichung von Wohnungen. Dabei lässt sich mit 100 Millionen ein ganzes Fussballstation bauen. Es wäre doch besser, die Stadt würde das Geld dafür ausgeben und die Finger vom freien Wohnungsmarkt lassen!

GC und FCZ sind Krawall-Leader

Die „Sonntagszeitung“ brachte es soeben an den Tag: Es ist ein unrühmlicher Spitzenplatz – GC verzeichnet laut Reporting der Polizeilichen Koordinationsplattform Sport die meisten Problemspiele im Fussball. Der Club war in sechs Monaten an elf Partien mit besonders schwerer Gewalt beteiligt. Und wer folgt gleich dahinter? Der FCZ mit acht Partien mit Gewaltexzessen.

In Wahrheit randalieren die Anhänger aber noch öfter. Die neue Plattform erfasst nur Ereignisse, die direkt im Rahmen eines Spiels stattfinden. Oft gibt es aber auch losgelöst von einer Partie Ausschreitungen, zuletzt auffallend oft in Zürich. Ende 2017 stürmen Vermummte FCZ-Ultras einen Sportplatz, schlagen dort trainierende GC-Fans zusammen. Im Februar kommt es beim Prime Tower zu einer Auseinandersetzung, bei der auf Personen eingetreten wird, die wehrlos am Boden liegen. Im Mai beteiligen sich Fans beider Clubs an einer brutalen Schlägerei in Basel. Im August bewerfen Vermummte in FCZ-Kleidung mit Flaschen und Steinen Polizisten, die nach einer Messerstecherei am See eingreifen wollen.

Die Sonntagszeitung kommentierte: „Wir haben es hier ein ernst zu nehmendes Problem. Auffällig sei, dass es bei Spielen mit Beteiligung der beiden Zürcher Clubs GC und FC Zürich überdurchschnittlich oft zu Ausschreitungen kommt. „Als wir die zwei Vereine mit diesem Fakt konfrontierten, gingen sie sofort in die Defensive, mochten dies nicht kommentieren. Statt zu schweigen, sollten die Zürcher Vereine besser laut und unmissverständlich gegen die Feinde in den eigenen Reihen vorgehen.“

 

Befürworter schämen sich für die Hochhäuser!

Mit Hunderttausenden von Franken versuchen die Stadionbefürworter, sich ein Ja zur Hardturm-Vorlage zu erkaufen. Überall in der Stadt hängen Plakate, auf denen vor allem ein schwarzer Punkt mit dem Wort „Ja“ auffällt. Es ist offensichtlich, dass damit von etwas abgelenkt werden soll. Wovon, hat der Tages-Anzeiger kürzlich analysiert. Seine Erkenntnis: „Was sind Anzeichen von Nervosität auf einem Abstimmungsplakat? Zu erwarten wären: bunte Farben, wilde Collagen, verwirrende Unruhe. Doch das trifft auf die Nervosität im Zürcher Stadion-Abstimmungskampf nicht zu. Es ist ein grosser, schwarzer Kreis, quasi die gedruckte, geweitete Pupille der Stadionbefürworter. Angesichts des Widerstands gegen die zwei geplanten 137 Meter hohen Wohntürme hat sich das Ja-Komitee kurzerhand entschlossen, sein Projekt gleich selbst etwas zu demontieren und die Türme möglichst auffällig zu verstecken. Rechts die gemeinnützige Überbauung, in der Mitte das Stadion, links der schwarze Kreis.“ Dieser versteckt die Hochhäuser fast vollständig, es ist, wie wenn diese gar nicht Teil des Projekts wären. Es ist offensichtlich, dass das Ja-Lager diese Wolkenkratzer als Hypothek im Wahlkampf empfindet.

Stadt kritisiert Hochhäuser auf dem Hardturm – tatsächlich!

Im Februar 2010 kaufte die Stadt der CS das Hardturmgelände ab. Ein Grund dafür war, dass die CS dort Hochhäuser plante – was uns irgendwie bekannt vorkommt. Doch die Stadt fand das eine schlechte Idee, wie sie damals gegenüber dem Gemeinderat festhielt: „Die von der CS aus Rentabilitätsgründen mit drei Hochhäusern angestrebte Ausnützung … entsprach nur bedingt den städtebaulichen Vorstellungen und stiess im Baukollegium nicht auf Zustimmung.“ Hochhäuser an dieser Stelle war für die Fachleute wie die Politiker ein Nogo. Die Stadt übernahm das Hardturm-Areals damals also gerade weil sie dort keine Hochhäuser wollte!

Spulen wir den Film vorwärts ins Jahr 2018. Ausgerechnet die CS will nun an der gleichen Stelle wieder Hochhäuser bauen, bloss aus Rentabilitätsgründen noch viel, viel höher. Der zuständige Stadtrat André Odermatt dagegen findet diese Wolkenkratzer nun gut. Unablässig betont er, wie sehr „die Fachleute“ die Qualität der Architektur gelobt hätten. Leider nimmt es Odermatt mit der Wahrheit nicht sehr genau. Denn im Jurybericht wird vermeldet: „Die beiden Hochhäuser erhalten hinsichtlich ihrer Grösse nicht denselben ungeteilten Zuspruch wie die beiden anderen Bauten. Man wünschte sie sich schlanker mit einer weniger gewichtigen Erscheinung. Dies betrifft vor allem die Fernsicht, also ihre Gestalt in Bezug auf die Gesamtstadt, aber auch aus Sicht der angrenzenden Quartiere.“ Das heisst im Klartext: Die Hochhäuser sind zu gross, zu wuchtig, stören das Stadtbild und belasten mit ihrer massigen Kubatur und dem Schattenwurf die benachbarten Quartiere. Z u vermuten ist, dass die Architekten in der Jury von den Nicht-Architekten überstimmt wurden, unter anderem den beiden Clubpräsidenten. Diese wollen einfach ein Stadion, der Rest kümmert sie nicht.

Der Schattenwurf konkret

Die Befürworter des Stadions haben sich bisher völlig ausgeschwiegen über die konkreten Auswirkungen ihres Projekts auf die Bevölkerung der umliegenden Quartiere. Dies trifft insbesondere für das Thema Schattenwurf zu, zudem den Promotoren nicht mehr einfällt als die Bemerkung, er sei kein Problem. Nun wurden von unserem Komitee Simulationen errechnet und optisch umgesetzt, um zu zeigen, wie sich der Schattenwurf konkret  auf Höngg (und Teile von Wipkingen wie auch Altstetten) auswirkt. Wir wählten dafür den kürzesten tag des Jahres und zeigen die Situation morgens um 9 Uhr und abends um 16.45 kurz vor Sonnenuntergang.

 Abbildung 1: Schattenwurf morgens um 9 Uhr

 

Abbildung 2: Schattenwurf abends um 16.45 kurz vor Sonnenuntergang

Der Schatten der beiden Wolkenkratzer ist massiv und hüllt den Hang des Hönggerbergs bis fast Höhe Kettberg ins Dunkel.

Es kann nicht erstaunen, warum die Promotoren des Projekts Hardturm über dieses Thema lieber nicht sprechen.

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Vom Versuch, mit viel Geld eine Abstimmung zu kaufen

Die Befürworter des Stadions haben ihre Kampagne längst gestartet. Ihr Plan war ja stets, eine Volksabstimmung über das Projekt Ensemble zu erwirken, um dann mit Hilfe der Stimmen aus Leimbach, Wollishofen und Witikon, wo die Monsterhochhäuser keinen Schatten werfen, eine zustimmende Mehrheit zu bekommen.

Und mit Hilfe von sehr viel Geld der Investoren. Uns so läuft die Ja-Kampagne schon längst. Am Freitag, 21. September, gab es eine Pressekonferenz, an der die bekannten Fussballfreunde Roger Schawinski, Beat Schlatter und alt Regierungsrätin Rita Fuhrer ihrer Begeisterung über das geplante Stadion Ausdruck geben konnten.

Man wolle damit die Volksnähe der Stadionbefürworter demonstrieren, sagten die teuren PR-Spezialisten, die sich diesen Auftritt ausgedacht haben. Wie wenn der Multimillionär Schawinski, die ehemalige Raiffeisen-Verwaltungsrätin Fuhrer für Volksnähe stehen würden. Einzig Beat Schlatter war eine gute Besetzung: Er unterstrich als Komiker die komische Wirkung dieser PR-Veranstaltung.

Man wird solche Dinge jetzt noch öfters sehen. Wo die Argumente fehlen, soll es das Geld richten.